Impuls der Woche


 

Hier finden sich Wöchentlich neue Impulse von Thay Thien Son.

 

 


 

Widmung für den inneren Frieden

 

 

Im Alltag tragen wir oft unseren eigenen Konflikt mit uns. Da wir häufig unzufrieden sind und Erwartungen haben, werden wir oft enttäuscht. Der Konflikt liegt in uns, und wir müssen lernen, damit Frieden zu schließen. Für diese Woche schaffen wir einen Platz, einen Ort des Friedens, für dich zu Hause. Du kannst deinen Sessel oder eine Ecke deines Zimmers als diesen Ort des Friedens bestimmen. Wenn du das Gefühl hast, verletzt oder gekränkt zu sein, oder einen Konflikt in dir trägst, begib dich zu diesem Ort. Setze dich dort hin und nimm deinen Atem wahr: Atme ein, atme aus und sage zu dir selbst: „Ich möchte mit mir Frieden schließen und mich selbst umarmen.“ Unabhängig davon, was du erlebt hast oder was dir angetan wurde, finde zu diesem Frieden. Nachdem du dreimal tief ein- und ausgeatmet hast, kannst du wieder aufstehen und zu deiner Beschäftigung zurückkehren. Dieser Ort dient dazu, dass du dich wieder aufladen und zur Ruhe kommen kannst. Mögen wir die Weisheit besitzen, zu erkennen, dass wir die Spannung in uns tragen, die Dualität in uns selbst erzeugen und bereit sind, diese Spannung loszulassen. Mögen alle Menschen glücklich sein und frei von Leid.

 

Thay Thien Son, 29.04.24

 


 

Freiheit des Denkens

 

In dem Bewusstsein, dass wir oft Leid erzeugen, indem wir auf unserem Recht beharren, möchten wir reflektieren. Wir stehen auf unserer Meinung und denken, sie sei die absolute Wahrheit. Eine Idee, die du fasst, oder ein Gefühl, das du empfindest und als deine Wahrheit ansiehst, möchten wir oft anderen aufzwingen. Wenn dies nicht gelingt, erzeugen wir Schuldgefühle bei anderen. Wenn das scheitert, entziehen wir unsere Liebe. Und wenn auch das nicht wirkt, zeigen wir unsere Emotionen. Wir versuchen, unsere Meinungen und Ideen anderen aufzuzwingen, was viel Leid erzeugt.

Für diese Woche üben wir die Freiheit des Denkens. Jeder darf seine Freiheit genießen und denken, wie er möchte. Wir üben, den Raum für den anderen zu lassen, nicht zu kritisieren, nicht zu verurteilen, sondern achtsam offen zu bleiben. Du musst nicht alles akzeptieren, aber sei dabei offen und zugänglich, ohne dich zu verschließen. So erkennen wir, dass jeder nur einen Ausdruck seines Lebens zeigen möchte. Jeder möchte den anderen in sein Boot holen und seine Welt zeigen. Wenn dein Herz offen genug ist, dann steige ein, betrachte seine Welt, genieße sie, und du darfst sie wieder verlassen, denn es ist seine Welt. Er hat das Recht, sie so zu gestalten, wie er möchte. Ebenso hast du deine eigene Welt. Du darfst alles kreieren, und niemand sollte dir etwas aufzwingen, sei es durch die Medien oder durch Überzeugungen. Du hast deinen eigenen Raum und darfst diesen auch für dich nutzen.

Mögen wir die Weisheit haben zu erkennen, dass jeder seine eigene Wahrheit besitzt. Bis wir erleuchtet sind, erkunden wir die vollkommenen Wahrheiten. Bis dahin lernen wir, jede Weltanschauung so zu belassen, wie sie ist. Mögen alle Menschen glücklich sein und frei von Leid.

 

Thay Thien Son, 22.04.24

 


 

Achtsamkeit in der Sangha: Wöchentliches Bewusstseinstraining

Ich möchte, dass wir als Sangha jeden Montag mit einer neuen Trainingseinheit für unser Bewusstsein beginnen. In dieser Woche lernen wir, uns auf jemanden einzulassen – wirklich für diese Person da zu sein. Wir sitzen da und widmen uns voll und ganz dieser Person, ohne etwas von ihr zu erwarten oder zu verlangen. In Achtsamkeit verweilend, atmen wir mit ihr. Du kannst auch innerlich eine Affirmation tragen: "Ich bin hier und für dich da." Wenn die Person mit dir sprechen möchte, sage ihr: "Ich möchte üben, für dich da zu sein. Wenn du möchtest, höre ich dir zu. Ich übe, nichts von dir zu verlangen, nichts zu wollen. Ich bin hier, ich bin präsent und ich höre dir zu." Indem wir diese kleine Trainingseinheit eine Woche lang durchhalten – und ich betone, eine Woche lang – lernen wir, unser Herz zu öffnen. Denn das Wollen und Verlangen, das wir in uns tragen, führt oft dazu, dass wir uns voneinander trennen. Wenn du übst, dich auf eine Person einzulassen, lernen wir auch, uns auf die Einheit, die im Universum existiert, einzulassen. Diese Person wird ein Tor zu deinem inneren Universum. Deshalb lernen wir, einfach nur da zu sein und tief zuzuhören, ohne etwas zu erwarten. Mögen alle Menschen glücklich sein und frei von Leid.

 

Thay Thien Son, 15.04.24

 


 

Praxis des Loslassen und Teilen

 

Um unser Ego loszulassen, existieren viele Methoden. Eine davon ist das bewusste Loslassen, welches uns jedoch oft schwerfällt. Aus diesem Grund hat der Buddha empfohlen, das schrittweise zu gestalten. Diese Woche widmen wir uns der Übung, täglich einen Geldbetrag einer Person zuzuteilen – sieben Tage lang, an sieben verschiedene Personen. So entdecken wir, dass das Teilen nicht nur Freude bereitet, sondern auch eine Bereicherung für unser Herz darstellt und uns in Wahrheit nichts entzieht.

Besonders sollen wir Personen auswählen, die wir nicht kennen. Das Teilen mit nahestehenden Personen wie unserem Partner oder unseren Kindern mag uns nicht so schwerfallen. Doch gerade mit Unbekannten lässt sich die Praxis des bedingungslosen Teilens am besten üben. Da unsere Anhaftung an Geld besonders stark ist, bietet es sich an, gerade hiermit zu beginnen. Es ist nicht erforderlich, alles zu teilen; bereits die Geste, täglich ein paar Euro mit jemandem zu teilen, kann bedeutsam sein.

Das Ziel ist das Loslassen, um Freiheit zu erlangen – frei von Anhaftung, Ängsten und Unsicherheit. Durch das Teilen erfahren wir einen Gewinn für uns selbst und erkennen, dass wir nichts verlieren. Vielmehr kann unser Gefühl der Sicherheit sogar wachsen, weil wir realisieren, dass wir im Grunde genommen nichts Wesentliches eingebüßt haben.

Mögen alle Menschen glücklich und frei von Leid sein.

 

Thay Thien Son, 08.04.2024

 


 

Die Kunst, sein eigenes Glück zu schaffen: Wege aus der Einsamkeit

 

 

Unsere Einsamkeit hat kein Verfallsdatum. Wir halten das Gefühl beständig aufrecht. Und wenn wir in die Tiefe blicken, erkennen wir, dass wir einsam sind, weil wir nicht wissen, was wir mit uns anfangen sollen. Deshalb nehmen wir uns für diese Woche vor, aktiv zu lernen, wie wir uns glücklich machen können. Es geht nicht darum zu warten, dass der Partner uns glücklich macht. Es geht auch nicht darum zu warten, dass unsere Freunde uns Freude bereiten. Es geht nicht darum zu warten, dass jemand anderes uns Glück bringt. Vielmehr sollten wir in uns selbst hineinhorchen und genau hinschauen. Und dann wird das Kind in uns Freude empfinden. Und es kann etwas ganz Kleines sein, dass das Kind in uns neugierig wird und sich auf Entdeckungsreise begeben möchte. Es muss nicht einmal weit sein. Es kann ein kurzer Spaziergang in den Wald sein, bei dem du dem Kind erlaubst, tief in die Blumen hineinzuschauen. Und du fühlst dich eins mit allem. Oder du lässt das Kind in dir kreativ sein. Trau dich, ein Stück Papier zu nehmen. Nimm einen Stift in die Hand. Und erlaube dem Kind, sein Glück zu malen. Wir können unser Glück aktiv gestalten. Wir sind diejenigen, die unser Glück selbst kreieren können. Und wenn du bei dir bist und dir mit Kleinigkeiten immer wieder Freude bereitest, dann bist du nicht darauf angewiesen, dass jemand anders dich glücklich macht. Denn du kannst dir das Glück selbst bringen. Und irgendwann wirst du feststellen, dass deine Einsamkeit längst verschwunden ist. Du bist bei dir, du begleitest dich selbst. Und irgendwann gelangst du zu dem Gefühl, mit dir selbst eins zu sein. Dann kehrt Ruhe ein. Dann stellt sich auch Stille in dir ein. Keine Rastlosigkeit. Keine Sorgen. Keine Bedenken. Und das ist der Moment, in dem wir wirklich glücklich sind. Hab den Mut, wirklich für dich selbst da zu sein. Besitze auch die Weisheit, für dich selbst Glück zu schaffen. Mögen alle Menschen glücklich sein. Mögen alle Menschen frei von Leid sein.

 

Thay Thien Son, 18.03.2024

 


 

Die Kunst des Loslassens: Selbstlose Hilfe als Weg zur Freiheit

 

In dieser Woche widmen wir uns der Beobachtung, wann wir uns unangebrachterweise Verantwortung aneignen. Oftmals springen wir vorschnell ein, um für jemanden eine Lösung zu finden. Manchmal, auch ohne gefragt zu werden, entwerfen wir bereits eine Lösung für den anderen. Besuchst du eine Freundin und sitzt in ihrem Wohnzimmer, denkst du vielleicht schon darüber nach, wie du es umgestalten könntest. Hörst du ein Gespräch mit, schießen dir Gedanken durch den Kopf, wie du es formuliert hättest. Ständig nimmst du die Lösung und die Verantwortung für andere auf deine Schultern. Dabei suchst du nach dieser unangebrachten Verantwortung, um deine Existenzberechtigung zu untermauern. "Weil ich dir eine Lösung biete, habe ich einen Platz in deinem Leben. Weil ich etwas für dich bewirken kann, gehöre ich zu deinem Leben. Und wenn ich dir eine Lösung anbieten kann, kannst du nicht ohne mich sein." So versuchst du, dich unersetzbar zu machen, indem du unaufhörlich Verantwortung und Lösungen anbietest. Dadurch suchst du nach deiner Daseinsberechtigung und bist permanent beschäftigt. Im Grunde genommen besteht die Furcht, von den Menschen verlassen zu werden. Die Befürchtung, sie könnten vielleicht nichts mit dir zu tun haben wollen. Das Gefühl, nicht wichtig in ihrem Leben zu sein. Deshalb beobachten wir diese Woche genau, wann wir aktiv Verantwortung übernehmen. Und wenn wir passiv im Geiste schon Lösungen für die Menschen entwerfen, um unsere Einsamkeit und das Alleinsein zu überspielen, ohne darauf zu achten, Hauptsache, wir sind beschäftigt. Doch wenn wir lernen, unsere Hilfe ohne Hintergedanken anzubieten, dann fließt das Leben. Wenn du jemandem ohne jegliche Erwartungen beistehst, dann fließt es. Deshalb sollten wir darauf achten, ob wir mit der unangebrachten Verantwortung jemanden festhalten oder ob wir tatsächlich jemandem helfen und ihn dann loslassen, sodass er sein Leben weiterführen kann. Du entscheidest. Mögen alle Menschen glücklich sein und frei von Leid.

 

Thay Thien Son, 26.02.2024