Liebende Güte Meditation

Im Rahmen unseres Klosterprogramms finden regelmäßig angeleitete Meditationen zur Herzensqualität der Liebenden Güte statt. Im Folgenden finden Sie allgemeine Informationen zu dieser Form der Meditation, eine Audio-Version einer angeleiteten Liebende Güte Meditation, sowie einen Text, in dem der Buddha die Praxis der Liebenden Güte beschreibt. 

 

Allgemeine Informationen

Liebende Güte ist eine warmherzige Geisteseinstellung des Wohlwollens, die man sowohl sich selbst als auch allen Lebewesen gegenüber kultiviert. Wir wünschen uns selbst, uns nahestehenden Personen sowie allen fühlenden Lebewesen Gesundheit und Wohlsein, Glück und Zufriedenheit, Sicherheit und Geborgenheit. Wir wünschen, dass alle heilsamen Absichten und alle heilsamen Bemühungen zum Wohle aller Wesen verwirklicht werden mögen.

Die Kultivierung von Liebender Güte geschieht hierbei immer mit der Bewusstheit, dass nicht nur wir selbst, sondern alle Lebewesen gleichermaßen auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit sind sowie versuchen Leid zu vermeiden. Liebende Güte ist eine Herzensqualität, die uns dabei hilft, schwierigen Situationen mit mehr Mitgefühl und Warmherzigkeit begegnen zu können.

Liebende Güte bildet zusammen mit Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut die sogenannten „Vier Unermesslichen“ - Qualitäten des Herzens, die man grenzenlos in alle Himmelsrichtungen und auf alle Lebewesen bezogen kultivieren kann.

 

Audio-Version: Angeleitete Liebende Güte Meditation

15-Minuten-Meditation von Mönch Bhante Dhammananda aufgenommen. Inhalt: Traditionelle respektvolle Begrüßung des Buddhas - Liebende Güte für sich selbst - für Familie, Freundinnen und Freunde - für alle Menschen - für alle Lebewesen. Bhante Dhammananda ordinierte 1994 als buddhistischer Mönch in seiner Heimat Sri Lanka. Seit 2019 lebt er bei uns im Kloster Buddhas Weg und wird hier regelmäßig Achtsamkeitskurse und buddhistische Grundlagen-Tage halten. Dauer: 15 Minuten

 

 

Liebende Güte Meditation

In der Meditation öffnen wir unser mitfühlendes, liebevolles Herz zunächst einmal uns selbst gegenüber - Liebe und Mitgefühl müssen wir auch für uns selbst entwickeln, bevor wir sie von Herzen auch an andere weitergeben können. Anschließend weiten wir unser Wohlwollen und unsere Warmherzigkeit immer weiter aus: Zunächst in Richtung uns sehr nahestehenden Personen wie Eltern, Partner, Kinder und Freunde. Auch uns kaum bekannte, neutrale Personen sowie schwierige Personen, gegenüber welchen wir Ärger oder Frustration empfinden, schließen wir in unser weites Herz mit ein. Zum Schluss öffnen wir unser Herz allen Lebewesen gegenüber und wünschen allen Lebewesen Glück und Zufriedenheit, sowie Freiheit von Leid.

 

Die Lehrrede der Liebenden Güte

In der Lehrrede der Liebenden Güte [Karaniya Metta Sutta] erläutert der Buddha zunächst diejenigen Qualitäten, die für die Entwicklung eines friedvollen Herzens von Bedeutung sind. Anschließend beschreibt er die auf das Wohl aller Lebewesen ausgerichtete Übung der Liebenden Güte Meditation. Alle Lebewesen, egal ob nah oder fern, werden in das liebende, wohlwollende Herz eingeschlossen. Gegen Ende des Textes betont der Buddha, dass die Qualität der Liebenden Güte nicht nur in der sitzenden Meditation kultiviert werden sollte, sondern in all unsere Haltungen und Aktivitäten mit einfließen kann - egal ob wir gerade stehen, gehen, sitzen oder liegen. Wir können Liebende Güte also auch im Alltag als Achtsamkeitsübung kultivieren.

 

Karaniya Metta Sutta - Die Lehrrede von der liebenden Güte

"Dies sollte von denjenigen praktiziert werden, die wünschen, ein friedvolles Herz zu entwickeln: man entwickle einen starken Geist, sei gewissenhaft und authentisch, aufrichtig, sanft und ohne Hochmut. Zufrieden sei man, leicht zu unterstützen.

Man übe sich in Bescheidenheit, hafte nicht an Materiellem. Die Sinne gestillt, gereift die Weisheit. Höflich und ohne Gier gehe man unter Menschen. Man tue nichts, was ein weiser tadeln würde. Folgendes möge man reflektieren:

Mögen alle Wesen glücklich und sicher sein, möge ihr Herz von Frieden erfüllt sein.

Was es an Lebewesen hier auch gibt: Die schwachen und die starken; lange, große und auch mittelgroße Wesen; kleine, zarte oder grobe; die sichtbaren und die unsichtbaren; ob nah oder fern; geborene oder nach Wiedergeburt suchende - mögen sie alle glücklich und sicher sein, möge ihr Herz von Frieden erfüllt sein.

Keiner soll den anderen hintergehen; keinen möge man verachten, weshalb auch immer. Weder aus Ärger noch aus feindlicher Gesinnung - man sollte einander keinen Schaden wünschen.

So wie die Mutter ihr einziges Kind mit ihrem eigenen Leben beschützt, ebenso sollte man allen Lebewesen gegenüber grenzenlose liebende Güte entwickeln.

Man lasse Wohlwollen und liebende Güte der ganzen Welt gegenüber erstrahlen: Oben, unten, ringsherum, grenzenlos, ohne Ärger und ohne Feindseligkeit.

Ob stehend, gehend, sitzend oder liegend – solange man wach ist, sollte man sich um diese Achtsamkeit bemühen. Dies hier nennt man „edles Leben“.

Wer falsche Ansichten vermeidet, tugendvoll ist und voller Eifer nach Klarheit strebt, von Sinnesbegierden gelöst ist, der wird sicher nicht mehr in den Kreislauf der Wiedergeburten zurückkehren."

Der Buddha, Sutta-Nipata 1.8